Vom zu- und loslassen

Gestern war ein Doof-Tag.

Durch den vorzeitig abgereisten Kinderbesuch war der Morgen anders als geplant. Aber es war okay, ich habe mit der Kleinen gefrühstückt und wir haben den Vormittag gespielt. Dann wollte ich irgendwann endlich mal duschen und während mein Freund sie motivierte am Klavier Hänschenklein einzustudieren, hielt ich es für eine gute Idee mich nochmal hinzulegen, weil ich so Matsche war von der Nacht. Vielleicht auch vom Wetter oder weil ich erst mittags unter die Dusche kam oder Zyklus oder whatever. Jedenfalls ging es mir nicht gut.

Nachdem ich ein paar Stunden im Bett vor mich hin gedöst und vegetiert hatte, ging es mir aber eigentlich nur schlechter als vorher. Ich fühlte mich nutzlos, mutlos und ausgelutscht. Ich fühlte mich schlecht, weil ich mich nicht mit meiner Tochter beschäftigte sondern sie eine Serie schaute (was sie ziemlich geil fand, also eigentlich kein Grund sich schlecht zu fühlen) und war hoffnungslos, weil ich nicht mehr wusste, worauf ich mich eigentlich noch freuen sollte. Seit Wochen hocken wir hier drinnen und die Zahlen schießen trotzdem immer weiter hoch. Seit Wochen hocken wir drinnen, haben den Kindern nur je zwei Besuche erlaubt, selbst die Kleine vermisst ihren sonst so verhassten Kindergarten mittlerweile und ich habe seit Weihnachten nicht mehr persönlich mit einer erwachsenen Person geredet außer dem komischen Kerl hier in meiner Wohnung, der behauptet mein Freund zu sein, aber mir momentan recht fremd und weit entfernt vorkommt. Wir können immer gut reden, aber wir können auch tagelang gar nicht reden, weil worüber? Wir erleben ja nix. Und außerdem gehen wir uns auf den Sack. Nicht aktiv, aber unsere Wohnung ist nicht so groß, als dass man sich gut aus dem Weg gehen könnte.

Ich war verzweifelt, ich wusste nichtmal mehr worauf ich mich überhaupt freuen würde, wenn der Lockdown vorbei wäre. Ich fühlte mich wie ein Tiger, der schreien und brüllen will, aber nichts anderes tun kann, als in seinem Käfig im Kreis zu rennen. Also tat ich genau das. Ich trug mein Gefühl nach außen. Ich tigerte durch die Küche, hin und her, und weinte. Ich weinte einfach, ich wusste nicht weswegen, einfach weil ich mich so fühlte, wie ich mich fühlte. Ich weinte einfach, um die Wohnung nicht zu zertrümmern oder sonst irgendetwas Dummes zutun, um meine Energie loszuwerden. Ich ging von links nach rechts, von rechts nach links und weinte einfach.

„Oh Gott was ist denn mit dir?“ fragt mein Freund mich, als er in die Küche kommt. „Weiß nicht. Es ist einfach alles so…so…hgrmpflmmgspf“ sage ich und wedele schulterzuckend mit den Armen – „Oh ja, ich weiß genau was du meinst.“ sagt er. Die Kleine kommt in die Küche, sie ist fertig mit gucken. Sie klettert auf meinen Arm und legt ihren Kopf auf meine Schulter und ich meinen Kopf auf ihren, ich tigere noch zwei drei Runden mit ihr auf dem Arm durch die Küche bis sie mir zu schwer wird, dann essen wir Schoko-Muffins. Eine Stunde vorm Abendbrot, weil who cares.

Und dann ist gut. Danach geht es mir besser. Wenn ich sonst nichts tun kann, kann ich es zumindest zulassen.

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