Dämonenbekämpferin

Wir hatten gestern Übernachtungsbesuch für die Kleine, die Große ist bei der Oma im Corona-Kur-Ort quasi. Nachts um drei wurde ich von panischen Rufen aus dem Kinderzimmer geweckt. Wie ich so da saß und Besuchskind tröstete, beruhigte und in den Armen wiegte und mich anschließend zwischen beide Kinder kuschelte, dachte ich so darüber nach, wie verrückt es eigentlich ist, dass Kinder so viel Vertrauen in uns Große setzen. Sich so sicher fühlen, wenn wir da sind, glauben wir hätten niemals Angst. Ich fühlte mich nur durch meine Anwesenheit, als wäre ich gerade die Dämonenbekämpferin schlechthin. Von blanker Panik in ruhiges Atmen, nur durch meine Anwesenheit.

Es erscheint mir verrückt, wenn ich bedenke, wie panisch ich in Menschenmengen sein kann, wie ich am Fenster vorbeiflitze, wenn es mich dunkel anglotzt und spät abends draußen nur unterwegs sein kann, wenn ich meinen Schlüssel umklammere und mit Musik in den Ohren in meine Traumwelt abtauchen kann, um die Angst nicht zu spüren.

Es ist deswegen so verrückt, weil ich mit den Kindern tatsächlich keine Angst verspüre. Ich habe Angst im Dunkeln, immer, aber als ich gestern im Stockfinsteren zwischen beiden Mädchen lag, spürte ich nichts davon. In Anwesenheit meiner Kinder habe ich nie Angst vor etwas. Ich verspüre Angst UM sie, aber niemals vor etwas anderem. Wenn sie Angst vor dem dunklen Fenster haben, habe ich es nicht. Wenn die Kleine sagt, sie mag den Schrank nicht, weil sie das Gefühl hat da gucken sie Augen an, weiß ich genau was sie meint, ich kenne das Gefühl, aus demselben Schrank in derselben Situation, drei Stunden später, wenn ich ins Bett gehe, aber niemals wenn sie sie spürt. Wenn ich für die Kinder verantwortlich bin, habe ich keine Angst. Dann bin ich die Dämonenbekämpferin. Ihre Dämonenbekämpferin, nicht meine.

Gestern hat es leider nur bedingt geholfen. 3:30Uhr klingelte der Papa vom Besuchskind, um sie abzuholen. Sie wollte nach Hause und für alle war das okay. Meine Tochter hatte keine Angst, sie fühlte sich sicher, hier zu Hause, bei mir. Und auch das faszinierte mich, während ich so darüber nachdachte. Die Macht, die wir Eltern haben. Und nur wir Eltern, nur für unsere Kinder, nicht für andere. Es ist faszinierend. Beinahe beängstigend, aber in erster Linie faszinierend. Man sollte sich dessen immer bewusst sein, wieviel Vertrauen in uns gesetzt wird. Und was für ein sicherer Hafen wir für unsere Kinder sind, egal wie sicher wir uns selbst fühlen.

Und wenn ich die Dämonen meiner Kinder bekämpfen kann, warum dann eigentlich nicht meine?

Allgemein

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